Projekte

GWD, Gartenhaus & Waldhaus

Zwei Neubauten für die Genossenschaft
Wohnigdachs in Dielsdorf ZH

Planerwahlverfahren / 1.Platz

Arbeitsumfang:
Planung & Ausführung,
2023-2028

Auftraggeber:
Genossenschaft Wohnigdachs

Nutzung:
Genossenschaftlicher Wohnungsbau.
19 Whg. (2.5-5.5 Zi.+Cluster-Whg),
Café/Restaurant und Gemeinschaftsräume

Architektur:
Studio Ehrler Hartmann, Zürich

Landschaftsarchitektur:
Kirsch & Kuhn, Bauma

Baumanagement:
B3 Baumanagement, Gossau SG

Ausgangslage

Der reichhaltige Bestand an Bäumen und Sträuchern sowie die großzügige, offene Wiese in der Mitte zeichnen das Grundstück der Genossenschaft aus. Zusammen mit der schönen Villa Sulzer und der gut erhaltenen Remise entsteht ein atmosphärischer und charmanter Ort. Verschiedene kleine und größere, intimere und öffentlichere Orte im Garten laden sowohl zur Gemeinschaft als auch zum Rückzug ein. Mit der Umsetzung der Vision der GWD wird das Grundstück durch zwei Neubauten ergänzt und an die Umgebung angebunden. Es entsteht ein Ort, der verschiedene Lebensformen, Lebensweisen und Lebewesen schätzt und zu einem offenen, gemeinschaftlichen Wohnen und Leben einlädt.

Entwurfsidee

Der übergeordnete Parkraum, der aus dem östlichen öffentlichen Parkteil und dem oberen Teil der Wiese auf dem Grundstück der GWD besteht, wird durch das Parkwäldchen gegliedert. Durch die Lage der beiden Neubauten wird die offene Wiese der Genossenschaft räumlich gefasst und die Parkstruktur gestärkt. Durch die winkelförmige Gestaltung des Gartenhauses entsteht zusammen mit der Remise ein offener, kommunikativer Hof. Mit dem weiteren Hofraum zwischen der Villa Sulzer und dem Waldhaus, der offenen Parkwiese und dem beschriebenen Hof beim Gartenhaus entstehen abwechslungsreiche Außenräume, die als Orte der Gemeinschaft unterschiedlich belebt und genutzt werden können.

Die beiden Neubauten zeigen sich zur zentralen Wiese hin als zweigeschossige Holzbauten und ordnen sich in ihrem Ausdruck und in ihrer Höhe klar dem Hauptgebäude der Genossenschaft, der Villa Sulzer, unter. Das Gartenhaus wird im hinteren Teil viergeschossig und bildet somit nordseitig einen räumlichen Abschluss des Grundstücks. Durch das abfallende Gelände entwickelt sich das Waldhaus zur öffentlichen Seite hin ebenfalls zu einem viergeschossigen Gebäude mit einem erhöhten Sockelgeschoss aus Sichtbeton, in dem sich ein Café befindet.

Wir verstehen diese vier Gebäude als ein differenziertes Ensemble, das sich elegant in die Park- und Gartenanlage einfügt und durch die teils begrünten Fassadenschichten mit dem Park verwebt und Teil des Grünraums wird. Ein chaussiertes Wegnetz verbindet und öffnet den öffentlichen Park sowie die umliegenden Wege mit dem Grundstück. Das Parkwäldchen, die zahlreichen Sträucher und die Neubauten bilden anstelle eines umlaufenden Zauns eine dezente, natürliche Abgrenzung zur Umgebung.

Gemeinschaftliche Orte

Die offene Wiese ist der Mittelpunkt und öffentlichste Ort der Genossenschaft, an dem Bewohner:innen, Gäste und andere Menschen zusammenkommen können. Rund um die Wiese gibt es verschiedene Aufenthaltsbereiche, die zum Zusammensein einladen. Der Wiese zugewandt hat es beim Gartenhaus sowie beim Waldhaus eine Gartenlaube, die von der Genossenschaft als überdachter Außenbereich gemeinschaftlich genutzt werden kann. 

Als halböffentliche Außenräume sehen wir die beiden Höfe, die sich an die zentrale Wiese angliedern. Für intimere Begegnungen sind die begrünten Laubenbalkone gedacht, die großzügige, zusammenhängende Balkonflächen bieten und das Zusammensein mit den direkten Nachbarn ermöglichen.

Im Erdgeschoss der zentral gelegenen Remise gibt es einen großen Gemeinschaftsraum und Atelierräume, die den Genossenschafter:innen zur Verfügung stehen.

Situation mit Grundrisse EG

Nachhaltiger Lebensraum

Das Grundstück der GWD hat das Potenzial, ein hochwertiger Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen zu werden und die Biodiversität zu fördern. Die Park- und Gartenlandschaft wird möglichst naturnah gestaltet. Eine üppige Flachdachbegrünung bietet weiteren Lebensraum für Pflanzen und Insekten. Im Laubenbereich der beiden Neubauten gibt es zudem eine vertikale Fassadenbegrünung.

Nachhaltige Neubauten mit Lowtech-Ansatz

Um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, werden die Neubauten in einer Holz-Elementbauweise gefertigt. Den beiden Gebäuden liegt dabei ein wirtschaftlicher Stützenraster zugrunde, der in Kombination mit Trägerbalken das primäre Traggerüst der Häuser bildet. Fassaden und Innenwände werden in einem einfachen, materialsparenden Holzrahmenbau erstellt. Die sichtbaren Holzstützen, Balken und Unterzüge verleihen den Wohnungen dabei einen eigenständigen Charme und ausdrucksstarken Charakter. Innen werden die Wände mit verputzten Lehmbauplatten verkleidet. Lehm gilt als nachhaltiger Baustoff, der dank seiner feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften für ein angenehmes und gesundes Raumklima sorgt. Der Boden wird als Kontrast zu den Holzdecken mit einem geschliffenen, mineralischen Anhydrit-Belag erstellt. Durch die diffusionsoffene Bauweise sowie die Verwendung von feuchtigkeitsregulierenden Baustoffen im Inneren kann im Sinne des Lowtech-Ansatzes auf eine kontrollierte Lüftungsanlage verzichtet werden.

Gartenhaus

Das Gartenhaus tritt im nördlichen Teil des Grundstücks als bewachsenes und bewohntes Holzgerüst inmitten der üppigen Park- und Gartenlandschaft in Erscheinung. Das Gebäude bildet mit seiner winkelförmigen Struktur einen freundlichen, offenen Hof, der den Austausch und die Gemeinschaft im Haus stärkt und fördert. Zum offenen Hof hin orientiert sich eine mehrgeschossige vorgelagerte Laubenschicht, in der sich die vertikale Erschließung, die privaten Außenräume und die Zugänge zu den Wohnungen befinden. Privater und gemeinschaftlicher Außenraum gehen hier fließend ineinander über, und die umlaufende Wohnlaube mündet in einer zweigeschossigen, öffentlichen Gartenlaube mit Grillstelle. Ein spannender Wohnungsmix begünstigt eine vielfältige Bewohnerschaft im Haus.

UG Gartenhaus
EG Gartenhaus
1.OG Gartenhaus
2.OG Gartenhaus
3.OG Gartenhaus, Clusterwohnung
Schnitt Gartenhaus
Lauben Gartenhaus
Ost-Fassade Gartenhaus
Nord-Fassade Gartenhaus
4.5 Zimmer Geschosswohnung im Gartenhaus
4.5 Zimmer Geschosswohnung im Gartenhaus
Skizzen zu Konstruktion im Innenraum – Stand Vorprojekt

Waldhaus

Das Waldhaus liegt direkt neben der Villa inmitten des Baumbestand des Grundstücks. Nach Nordosten öffnet sich ein ruhiger, winkelförmiger Wohnhof mit einer prächtigen Hainbuche in der Mitte. Auf der Ostseite spannt sich ein enger, gassenartiger Raum zwischen Villa und Waldhaus auf, der als halbprivater Hof mit hoher Aufenthaltsqualität dient. Im unteren Parkgeschoss befindet sich ein öffentliches Café, das den Eingang zum Park markiert. Das offene, zentral gelegene Treppenhaus verbindet die privaten Außenräume zu einer zusammenhängenden Laube. Wie beim Gartenhaus weitet sich die Laube zur Wiese hin auf zwei Geschossen zu einem gemeinschaftlichen Außenraum. Im Erdgeschoss steht ein weiterer zentral gelegener Gemeinschaftsraum der Genossenschaft zur Verfügung.

Parkgeschoss Waldhaus
EG Waldhaus
1.OG Waldhaus
2.OG Waldhaus
Schnitt Waldhaus
Ost-Fassade Waldhaus
Gemeinschaftliche Laube im Waldhaus
West-Fassade Waldhaus

Fassaden und äußere Materialien

Die Villa Sulzer und die Remise zeichnen sich durch eine herrschaftliche, elegante Fassade mit kontrastierenden Gestaltungselementen aus. Trotz des unterschiedlichen Ausdrucks der beiden Häuser gibt es gemeinsame Elemente wie die Verwendung von Klinkersteinen, grünen Fensterläden, weißen Fensterrahmen und einem hellen Natursteinsockel, die beide Bestandsgebäude als harmonisches Ensemble erscheinen lassen. 

Die Fassaden der beiden Neubauten stellen wir uns als farblich zurückhaltende Holzfassaden vor, die sich den historischen Fassaden der Bestandsbauten unterordnen. Durch das niedrige, zweigeschossige Auftreten zur zentralen Wiese hin fügen sich die Neubauten auch in ihrer Höhe den Bestandsbauten unter. Farbtöne und einzelne Gestaltungselemente der Villa und der Remise werden in den neuen Fassaden mitaufgenommen.

Skizzen – Stand Wettbewerb
Skizzen – Stand Wettbewerb
Skizze – Stand Wettbewerb
Grundrisse – Stand Wettbewerb