Projekte

GWD, Villa & Remise

Sanierung und Umbau der Villa Sulzer
und der Remise für die Genossenschaft
Wohnigdachs, Dielsdorf ZH

Projektstudie im Direktauftrag

Arbeitsumfang:
Projektstudie, 2024

Auftraggeber:
Genossenschaft Wohnigdachs

Nutzung:
Genossenschaftlicher Wohnungsbau.
Wohnungen unterschiedlicher Grössen,
Gemeinschaftsräume und Ateliers

Architektur:
Studio Ehrler Hartmann, Zürich

Baumanagement:
B3 Baumanagement, Gossau SG

Geschichte

Das Ensemble aus dem ehemaligen Doktorhaus (Villa) und dem Nebengebäude stellt ein herausragendes Zeugnis der Sozial- und Baugeschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts dar. In einer Zeit, in der das Gebäude errichtet wurde, hob sich die städtisch geprägte und repräsentative Anlage deutlich von der überwiegend bäuerlichen Umgebung ab. Dies unterstrich die hohe gesellschaftliche Stellung des Dorfarztes und seiner Familie.

Das Nebengebäude (Remise) erfüllte eine doppelte Funktion: Zum einen diente es als Ökonomiegebäude mit Remise, Heuboden und Stallungen, um die Pferde für die Fahrten des Arztes bereitzuhalten. Zum anderen beherbergte es die Unterkünfte für das Dienstpersonal, das für den reibungslosen Betrieb der Arztpraxis unentbehrlich war. Das Haupthaus wiederum wurde über drei Generationen hinweg als Wohnhaus mit integrierter Arztpraxis und Apotheke genutzt. Die original erhaltene Raumdisposition sowie zahlreiche Ausstattungselemente spiegeln noch heute die frühere Nutzung wider.

Architektonisch zeichnet sich das Wohnhaus durch seine strenge Symmetrie aus, die jedoch durch kunstvolle Stilelemente des Historismus, wie den aus der Mitte verschobenen Hauseingang und die Veranda, aufgebrochen wird. Die sorgfältige Ausführung in farblich changierendem Sichtbackstein verweist auf die Blüte der Sichtbacksteinarchitektur, die nach der Schweizerischen Landesausstellung 1883 in Zürich an Bedeutung gewann und insbesondere im gehobenen Villenbau der Jahrhundertwende weit verbreitet war. Heute gehört das ehemalige Doktorhaus zu den wenigen noch erhaltenen repräsentativen Sichtbacksteinhäusern in der Region und steht in einer Reihe mit bedeutenden Bauwerken in Bülach, Eglisau und Embrach.

Luftaufnahme von 1963
Situation mit Grundrisse EG

Villa Sulzer (Doktorhaus)

Die inventarisierte Villa steht vor einer dringenden energetischen Sanierung, bei der unter anderem das Dach gedämmt und die Fenster ersetzt werden müssen. Ziel ist es, den baulichen Eingriff auf das notwendige Minimum zu beschränken, um den historischen Charakter der Villa so weit wie möglich zu bewahren. Verschiedene Nutzungsszenarien wurden geprüft, darunter die Umwandlung in einen Großhaushalt oder die Schaffung von Geschosswohnungen.

Die Bauherrschaft hat sich letztlich entschieden, das Szenario der Geschosswohnungen weiterzuverfolgen. Geplant ist die Umgestaltung der Villa in drei separate Wohneinheiten, wobei jedes Stockwerk mit einer eigenen Küche und einem Bad ausgestattet wird. Trotz der Aufteilung soll das Gebäude weiterhin als gemeinschaftlicher übergeordneter Wohnraum genutzt werden können. 

Der Umbau erfolgt mit gezielten Eingriffen, um die Anforderungen an den Schall- und Brandschutz sowie die Fluchtwege zu erfüllen. Dabei wird besonderes Augenmerk darauf gelegt, den ursprünglichen Charakter des Gebäudes zu bewahren und die Eingriffe so schonend wie möglich vorzunehmen.

Grundrisse Szenario Geschosswohnungen – Villa Sulzer
Fassaden und Schnitt Szenario Geschosswohnungen – Villa Sulzer
Grundrisse Szenario Grosshaushalt – Villa Sulzer
Villa Sulzer – Alte Apotheke
Villa Sulzer – Zimmer im Obergeschoss
Villa Sulzer – Zimmer im Dachgeschoss

Remise (Ökonomiegebäude)

Die Remise wird das künftige Herzstück der Genossenschaft und dient als zentraler Treffpunkt für die Bewohnerinnen und Bewohner. Ihre Lage im Zentrum des Geländes ist ideal, um ein vielseitig genutzter Gemeinschafts- und Begegnungsort zu schaffen. Im Erdgeschoss soll ein flexibel nutzbarer Gemeinschaftsraum und Atelierräume entstehen. Der Gemeinschaftsraum ist so konzipiert, dass er für verschiedene Anlässe wie Feste, Workshops oder Versammlungen genutzt werden kann. Ein nordseitig ergänzter, unbeheizter und verglaster Atelierraum, der an einen Wintergarten erinnert, bietet weitere kreative Möglichkeiten.

Im Obergeschoss der Remise sind zwei Maisonettewohnungen geplant, die durch außenliegende Treppenläufe erschlossen werden. Die kompakten Maisonettewohnungen bestechen durch ihre faszinierenden Raumbezüge und den besonderen Charme des Altbaus.

Grundrisse – Remise
Remise – Skizze Maisonettewohnungen im Obergeschoss
Querschnitt – Remise
Schnitt und Fassade – Remise
Fassaden – Remise
Remise – unbeheiztes Obergeschoss
Villa Sulzer und Remise mit Gartenanlage